Mascha Kaléko und ich

Es ist dieses Gefühl, wenn man etwas liest und spürt, dass es einen in der Seele berührt. Oder sogar Teil der eigenen Seele ist. Ein Text, ein Wort, ein Lied, das von nun an Teil des eigenen Lebens ist. Dessen Existenz man zwar nicht kannte, es aber nun nicht mehr loslassen kann.

Vor 7 Jahren hielt ich das erste Mal ein Gedicht von Mascha Kaléko in der Hand. Ich erhielt es von meiner Mutter. Es war in dem Adventskalender „Der andere Advent“ genau an meinem Geburtstag abgedruckt. Der Titel „An mein Kind“ hat mich schon deshalb berührt, weil in mir ein kleines Leben zu wachsen begonnen hatte und ich das erste Mal nicht nur als Kind, sondern auch als Mutter fühlte.

An mein Kind

Dir will ich meines Liebsten Augen geben

und seiner Seele flammenreiches Glühn.

Ein Träumer wirst du sein und dennoch kühn,

Verschlossne Türen aus den Angeln heben.

Wirst ausziehen, das gelobte Glück zu schmieden.

Dein Weg sei frei. Denn aller Weisheit Schluss

Bleibt doch zuletzt, dass man hienieden

All‘ seine Fehler selbst begehen muss.

Ich kann vor keinem Abgrund dich bewahren,

Hoch in die Wolken hängte Gott den Kranz.

Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:

Wer du auch seist, nur eines: Sei es ganz!

Du bist, vergiss es nicht, von jenem Baume,

Der ewig zweigte und nie Wurzeln schlug.

Der Freiheit Fackel leuchtet uns im Traume,

Bewahr den Tropfen Öl im alten Krug!

———————
Eine junge ungarische Dichterin, Übersetzerin und Performerin besitzt wie ich den großen Traum, Mascha Kaléko der ungarischen Literaturwelt vorzustellen. Da Kalékos Werke nie ins Ungarische übersetzt worden sind, wird das mein / unser erstes Lyrikprojekt sein – und so schwer und bedeutungsvoll, dass ich Angst habe, es überhaupt zu beginnen. Aber wer, wenn nicht Kaléko, ist es wert, von einer Nation gelesen und verstanden zu werden, die ihrer Mentalität so nahe ist…

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2 Kommentare zu „Mascha Kaléko und ich

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