Über Josef Michaelis

Während meiner Jahre an der Hochschule lernte ich die Werke vieler Dichter und Schriftsteller kennen und einer, der mich am meisten berührte, war Josef Michaelis. Der 1955 in Somberek, in der Branau geborene Lehrer für Deutsch und Geschichte lebt und arbeitet heute in Villány.

Nach mehreren Studien und Deutschlandaufenthalten und vielen vielen Gedichten (die er um Teil auch in Mundart schrieb) hat er 1991 einen großen Erfolg mit der Herausgabe des Buches „Zauberhut“, einem Band mit Gedichten und Märchen für Kinder. Ein Jahr später folgt sein Band „Sturmvolle Zeiten“. „Treibsand“, eine Sammlung verschiedener Texte, wird 2004 herausgegeben. Der Erfolg zieht Kreise: Seine Schriften werden in verschiedene Sprachen übersetzt und in mehreren Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Josef Michaelis ist vielfacher Preisträger: 2007 erhielt er den Donauschwäbischen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg und 2010 durfte er den Preis „Für die Minderheiten“ in Budapest aus der Hand des Staatspräsidenten Pál Schmitt entgegen nehmen.

Doch nun möchte ich endlich das Gedicht vorstellen, dass mich so sehr anrührt. Es trifft in seiner Atmosphäre und mit seinen Worten genau die Art der alten ungarndeutschen Frauen, die ich kenne. Und das erstaunliche daran ist, dass es gleich ist, ob die eine (meine Uroma) seit 70 Jahren in Deutschland lebt, da sie vertrieben wurde oder ob sie, wie die andere (ihre Kusine) ein Leben lang in ihrem ungarndeutschen Dorf gelebt hat. Auf beide trifft dieses Gedicht zu, als hätte Michaelis sie gesehen, während er diese Worte niederschrieb…

Branauer Schwäbin

Mit ihrer Enkelin

spricht sie Ungarisch

Deutsch mit ihrem Hund,

ihrer Katze,

mit Fotos,

ihrem Gebetbuch,

ihren Verstorbenen,

mit sich selbst.

Bald,

im Kleindorf

als Letzte,

mit Gott.

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