Petőfi und der 15. März

Der 15. März. Nationalfeiertag der Ungarn. Der Tag, an dem man denen gedenkt, die im Freiheitskampf 1848 kämpften und fielen und auch denen Kränze niederlegt, die im 1. und 2. Weltkrieg ihr Leben ließen.

Es ist ein Tag, den die Ungarn mit Würde und Stolz begehen. An der linken Seite der Jacken, über dem Herzen, tragen sie die Kokarde, die von weitem wie eine kleine Frühlingsblume aussieht. Überall läuten die Kirchenglocken, die Hymne ertönt und auch die Sonne scheint zu sagen: Dies ist ein Feiertag.

Ich denke an Petőfi die letzten Tage, an seine Taten und Worte. Nicht zum ersten Mal fühle ich mich ihm seltsam verbunden. Petőfi…

Mein Jugendheld ist er gewesen und mein Herzensdichter. Als jugendliches Mädchen mich nach Ungarn sehnend und das Herz bis zum Rande voll mit Fernweh las ich seine Gedichte – damals noch auf Deutsch. Seine Worte über mein geliebtes Tiefland und über die Liebe haben mich oft glauben gemacht, dass eine der Zutaten unserer Seelen die gleiche sein muss.

Seine Worte begleiteten mich viele Jahre lang. Mein Lieblingsbuch ist ein dunkelblauer alter Gedichtband in altdeutscher Schrift, in dem alles steht, was Petőfi je schrieb, von einem Josef Steinbach übersetzt und 1902 herausgegeben. Unglaublich, wie jemand in solch kurzer Zeit 1108 Seiten lang Reime dichten und Gefühle in Zeilen fassen konnte. Ich habe diesen Band einmal durchgelesen und er ist gespickt mit kleinen Zetteln an Stellen, die mir besonders viel bedeuten. Petőfi…

Und nach fast 9 Jahren in Ungarn? Gibt es die rot-weiß-grüne Seele noch? Was von meinem Fernweh geblieben ist, das fühlte ich heute, als meine beiden kleinen Kinder mit Kokarde und Fahne Hand in Hand in der Sonne spazierten. Als wir gemeinsam den  Ungarn, Serben und Deutschen gedachten, die in unserem Dorf Medina Opfer der Weltkriege wurden. An unsere Ahnen und Familien dachten. Und als uns klar wurde: Wir sind die Zukunft. Und wir sind frei.

Heute höre ich Petőfi auf Ungarisch, sie sprechen sein „Nationallied“ überall und ich verstehe jede Zeile und das, was zwischen ihnen liegt. Selten nur, wenn ich allein bin, dann höre ich das Ungarische mit meinem Herzen und nicht mit meinem Kopf. Und denke immer an den, der so ähnlich fühlte, dass es mich manchmal beim Lesen im blauen Buch fröstelte. Ein gehauchter Gruß einer alten Seele an die meine? Petőfi…

Ausschnitt aus dem Nationallied (Sándor Petőfi)

Auf, die Heimat ruft, Magyaren!

Zeit ist’s, euch zum Kampf zu scharen!

Wollt ihr frei sein oder Knechte?

Wählt! Es geht um Ehr und Rechte!

Schwören wir beim Gott der Ahnen:

Nimmermehr beugen wir uns den Tyrannen!

Nimmermehr!

(…)

Unsre Kinder sollen später

an den Gräbern ihrer Väter

stets in dankbarem Gedenken

ehrfurchtsvoll die Häupter senken!

Schwören wir beim Gott der Ahnen:

Nimmermehr beugen wir uns den Tyrannen!

Nimmermehr!

 

 

 

 

 

 

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