Herbarium für eine Rose

Neig’ dich doch hin zum Tal des toten Flieders,
blüh’ hinaus in schlummerndes Land,
wirst wohl des Nachts in Blätterpracht versinken,
dankbar sein für dein schönstes Gewand.

Wirst selbstgefällig deiner Schönheit götzen,
die dich keinen Stich größer gemacht,
die dir nicht zu Zukunft und Erben verholfen,
dich nur mit Mitleid bedacht.

Leiste dir keinen Blick mehr nach droben,
glaub mir, Rosen weinen niemals.
Was nützen dir lebensverlängernde Vasen,
was nützt dir schattendes Glas?

Wohl denn; Deine Blüte und Jugendlichkeit
vorbei nun und dürstend zerrinnt
deine Hand, die sich nie – wie wurzelnde Triebe –
in Sandboden krallte für ein Kind.

Sag mir, was bleibt nach einem Blütenleben,
das nie durch Nektar versüßt,
das nie von Bienen umsummt und umschwirrt,
das nie von Tau geküsst?

Vielleicht pflück’ ich dich aus moralischem Grund.
Dann kann ich dich trocknen und glätten,
und schließlich deine staubige Blütenpracht
in memoriam zu Grabe betten.

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