Funkel

Ich habe keine Zeit gehabt.
Keine Zeit für mich, für dich, für niemanden,
erst recht nicht für Gott.
Und auch keine für die Welt.

Aber ich habe in vielen Millisekunden
ganz kurz aus meiner Schale gelinst
und das Leben von oben gesehen,
aus der guten Perspektive.

Habe mich in meinem Leben gesehen,
wie ich

die alte Katze streichle, obwohl ich schon wieder losmuss
an der roten Ampel nach oben schaue
ein paar Sekunden länger im Auto sitzen bleibe
beim Backen mehr Teig nasche, als die Kleinen
Wolle und Stoffe entrückt bestaune
im T-Shirt Holz hole und dabei an meine Mama denke
am Fenster Regentropfen zähle, statt weiterzuputzen
die Kinder noch einmal zudecken gehe, damit ich sie noch einmal riechen und küssen kann
spät abends Kaffee trinke, nur, weil er so gut schmeckt
in der Badewanne Schnulzen lese
bis in den Morgen wach liege um die Ruhe zu feiern

kurz: wie ich doch – für Sekunden nur – innehalte,
deine Kirche in mir aufsuche, mich dort bekreuzige
und dir Danke sage
für jeden Funkel in meinem Tag.

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