Morgen

Morgen will ich gut nur zu euch sein,
kein einziges böses Wort aussprechen,
kein Spiel durch lahme Moral ersticken,
keinen Unmut an euch richten.

Morgen will ich lachen nur und küssen,
will Wünschen nur gehorchen,
will Zeit zurück in Uhren sperren,
in heißen Sand Gespenster malen,
Spaghetti zutschen, Tee laut schlürfen
und Puppenwagen schieben.

Ich will mich auch mit schmutzig machen,
vollgekleckert Käfer taufen
und den Kindersonnentag
glücktrunken eure Hand nur halten.

Abends will ich stundenlang
erzählen und das Mondlied singen,
will bei euch sitzen bis ihr schlaft
um heimlich euch die Stirn zu küssen.

…dabei im Dunkel müdeschwer
Gott innig für euch danken,
der mich für gut genug erdacht
euch Engel zu begleiten.

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Zum Abschied Nebel

Gib mir deine Hand,
ich weiß wie morgen geht.
Ich hab es gestern schon gesehen
mit dem Gesicht zur Wand.

Schau in mich hinein,
nicht wieder durch mich durch.
Bin nicht aus Glas und nicht aus Sand,
ritz’ Spuren nur in Stein.

Bitte halt mich fest
bis Nebel uns zerwehen.
Dann zieh ich weiter Richtung Licht
– wenn Gott mich gehen lässt.

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Bild von hier

Zu Besuch

Unterm Giebel knirschen nachts
der Kindheit bunte Bilder.
Ein windgehauchtes Abendlied
treibt Glockenklang herüber.

Im Dunkel schwarz und ganz erhaben
thront über mir dies Dach,
das Sturm und Hagel stets getrotzt.
Wie oft lag ich hier wach…

… und träumte von der weiten Welt,
von Freiheit, Liebe, Glück.
Und kann wohl sehen, von alledem
ist dieses Haus ein Stück.

Unterm Giebel knirschen nachts
der Kindheit bunte Bilder.
Von altbekannten Düften trunken
schlaf ich ein, mal wieder.

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Link zum Bild

Federtraum

Die Sterne formen Mitternacht,
der Tag ist fort, vertan.
Leis‘ zerfällt er in tausende Federn
wie ein einsam sterbender Schwan.

Und wir zerfallen ebenso,
wie Glut nach einem Brand,
schweben in tausend Molekülen
und schlafen doch Hand in Hand.

Die Sonne bringt ein Aufersteh’n.
Ich seh‘ im Morgenerwarten:
Du bist mein Haus, mein Dach, mein Herd
und ich, ich bin dein Garten.

Du bist das Mühlrad

Hat der Alltag dich wieder ein?
Sei dankbar, dass das alte Rad
deiner Lebensmühle
sich weiterdreht
und nicht morsch und brüchig
ganz urplötzlich
mit einem Riesenkrach,
dich lähmend mit Schmerz
– den Geist aufgibt.

Selten ist’s, dass das Mühlenrad
ohne Kummer bricht.
Dass man dem Alltag
ohne Pein den Rücken kehrt.

Es sind doch diese Tage,
die dich tragen
und mit Leben befüllen,
und für alte Ruhezeiten
mit Erinnerungen dich verseh’n.

Sei dankbar für die Kraft
und die Stunden,
für Muse und Arbeit,
für alles, was du tust.
Denn Leben ist Arbeit,
und andersrum stimmt’s auch.
Wie wär’ schließlich dieser Alltag,
wenn wir nicht alles gäben?

Also öle dein Scharnier,
schleife dein Holz.
Dann öffne die Schleusen
und dreh dich erneut!