Zu Besuch

Unterm Giebel knirschen nachts
der Kindheit bunte Bilder.
Ein windgehauchtes Abendlied
treibt Glockenklang herüber.

Im Dunkel schwarz und ganz erhaben
thront über mir dies Dach,
das Sturm und Hagel stets getrotzt.
Wie oft lag ich hier wach…

… und träumte von der weiten Welt,
von Freiheit, Liebe, Glück.
Und kann wohl sehen, von alledem
ist dieses Haus ein Stück.

Unterm Giebel knirschen nachts
der Kindheit bunte Bilder.
Von altbekannten Düften trunken
schlaf ich ein, mal wieder.

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Für die älteste und schönste Blume in meinem Garten

Es ist der letzte Frühling wohl
der noch vollkommen scheint.
Ich spür’s im Märzwind, überall,
dass bald der Himmel weint.

Mit Knospen, warmem Sonnenkuss
täuscht Er und blendet Lider,
denn jeden Tag zerblüht ein Krokus.
Der Storch kommt auch nicht wieder.

Schatten zwingen deine Blüten,
Abschied leis‘ zu nehmen.
Es hilft kein Toben mehr, kein Wüten,
kein Beten, Bitten, Flehen…

Nur eins kann ich noch tun für dich:
Dir mein Versprechen geben.
Dein Blütenduft wird ewiglich
unsterblich in mir leben.

Gedanken über das starke schwächere Geschlecht I: Die Tränen der Frauen

In den kommenden Tagen werde ich aus verschiedenen Aspekten die Kraft und Bedeutung von Frauen in der heutigen und in vergangenen Gesellschaften beleuchten. Heute beginne ich mit Gedanken über die Frauen meiner Familie, auf die ich sehr stolz bin und von denen ich gelernt habe, selbst eine Frau zu sein, die bewusst ihren Weg geht. In der letzten Zeit habe ich mich auch ausführlich mit dem Schicksal berühmter Frauen auseinandergesetzt, wie das der großen Königinnen von England und Schottland, über die ich ebenfalls berichten möchte. Doch der erste Teil dieser Reihe soll „meinen“ Frauen gewidmet sein.

„Die Tränen der Frauen“

Es sind Frauen, die durch die Vertreibung aus ihrer ungarischen Heimat tapfer und mutig einen neuen Weg beschreiten mussten. Oder die ein Leben lang währende Ungewissheit über das Schicksal des geliebten Vaters mit sich tragen mussten, der in den Nebelschwaden des Krieges verschwand. Oder eine Liebe, die im zarten Alter von 16 Jahren begann und mit einem Kind gesegnet wurde, die aber noch vor dem 60. Geburtstag ein schmerzvolles und unerklärliches Ende finden musste. Oder ein sinnloser und viel zu früher Tod einer jungen Frau durch die Auswirkungen der damaligen Spritzmittel. Es geht um Familien, um Einsamkeit, um Verluste, um Weitermachen.

Wenn ich in das Dorf Újpetre fahre, aus dem die Frauen meiner Familie stammen, wenn ich auf ihren Wegen gehe, ihre Häuser besuche, nach dem Mittagessen mit ihnen beim Kaffee sitze oder nach der Messe noch ein paar Worte mit ihnen wechsle, wenn ich an ihrer Seite den Friedhof besuche und Blumen niederlege – dann fühle ich eine unglaubliche Kraft, die von diesen Frauen ausgeht. Es erklingen Geschichten, die einem das Herz brechen und die Tränen in die Augen treiben. Wir sitzen zusammen in kleinen Küchen und uns verbindet das Frausein und der Respekt vor der jeweils anderen. Eine Beziehung, die mit nichts anderem in dieser Welt zu vergleichen ist. Die Männer wissen um dieses Band und um die Bedeutung dieser Zusammenkünfte. Jede von uns geht weiser und stärker aus ihnen hervor und es ist meine feste Überzeugung, dass die Männer uns brauchen und auf unsere Zähheit angewiesen sind, weshalb sie entweder lauschend bei uns sitzen oder aber uns Zeit schenken, um unser Gemeinsamsein zelebrieren zu können.

Die kleinste Frau, meine Tochter, wird bald drei Jahre alt. Durch ihr Wesen, ihr großes Herz, ihre Offenheit und ihre Willensstärke ist sie eine von uns. Sie sitzt in Újpetre inmitten der Generationen meiner Familie, als säße sie in der Kirche, sie lauscht und beobachtet uns und findet ohne Zögern ihren Platz zwischen uns. Ich bin sehr stolz auf dieses kleine fertige Tochterkind, das in mir heranwuchs und das eine helle, klare und starke Seele besitzt – die ein Erbe eben dieser Frauen ist.

Wenn uns wieder ein Schicksalschlag ereilt, wenn ein neues Leben geboren wird oder aber ein anderes geht, dann müssen wir Frauen zueinander finden, uns gegenseitig stützen, um gestärkt weiterzugehen auf unserem Weg. In den verschiedenen Kulturen der Welt gibt es die ergreifensten und emotionalsten Rituale dafür, einander in Geburt und Tod beizustehen. Da mir nicht nur Worte, sondern vor allem Musik sehr am Herzen liegt, möchte ich hiermit bewegende Melodien des Volks der Russinen vorstellen, einem vergessenen Bergvolk aus den Karpaten. Die Lieder, die allesamt von Trauer und Ziehenlassen handeln, gehen auch ohne jegliche Sprachkenntnisse tief unter die Haut. Die Stimmen und Melodien zeugen von einem tiefen fraulichen Bewusstsein und großem Schmerz und dennoch kann man förmlich hören, wie sie Schulter an Schulter stehen und sich an den Händen halten.

Ich wünsche allen, die in Trauer sind und einen schweren Verlust bewältigen müssen, dass diese Lieder Kraft schenken und dass sie von Menschen umgeben sind, die bei ihnen stehen und sie stützen, damit der neue, noch ungepflasterte Weg leichter betreten und beschritten werden kann.

Wir Frauen tragen oft schwer, doch wir tragen unser Kreuz gemeinsam.

Trauerlieder der Russinen: Die Tränen der Frauen

Informationen über das vergessene Bergvolk der Karpaten, die Russinen: hier

In memento an einen Frühling und an einen Großvater

Wenn die Zeit die Blätter fallen lässt,
Und Blumenblüten still verkummern,
Wenn alles Licht in Nebeldunst versinkt
Und Tiere stumm in Höhlen schlummern,

Wenn Feld und Heide leere harren,
Und Vögel flügelflatternd fliehen,
Wenn selbst der Regen lustlos plätschert,
Mir die Gedanken sich entziehen,

Wenn eine Träne, schwer und müßig,
Mir die Sicht und Hoffnung trübt,
Wenn die Seele, triefend, traurig,
Seufzend sich ins Schicksal fügt,

Dann denk ich, was, wenn’s Frühling wär,
Lichtdurchflutet und voller Wärme.
Ein Tag im Garten, nur wir beide,
Du bist alt, ich klein. Ach gerne.

Wenn ich dies Lied am Klavier spiel’,
Dann spiel’ ich’s nur für dich.
Ich weiß, du hörst es, lächelst weise.
Du bist mein Dur und moll bin ich.