Ode an einen Sommer

Kurz vor Mitternacht

ist plötzlich der Sommer zu Ende –

kein Wind kündigt sein Sterben an

und doch wird er unter

abertausend nassen Kristallen begraben,

die mir das letzte Salz von der Stirn waschen

während ich die Arme ausbreite

und meinen krummen Rücken

und mein staubiges Gesicht

gen Himmel richte

um einen letzten Hauch

von ihm zu atmen

bevor er vergeht.

Jetzt ist es an uns

ein Licht zu entzünden

und ein letztes Lied zu spielen

ihm zu Ehren, diesem Sommer,

den in wenigen Augenblicken

auf heißen Asphalt gespült

zusammen mit meinen Tränen

aus Freude am Leben

die Erde einatmet.

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Bildquelle

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Von Spiderman-Eis und Urlaubssehnen

Der Sommer quillt als süßer, warmer Saft aus Himbeeren und Aprikosen.

Die Hitze drückt durch Fensterritzen und blendet jedes Erbsenblatt.

Während der Garten stöhnt und schwitzt

und ich meinen Platz in diesem Sommer suche,

bestelle ich zur Überbrückung meines Urlaubslosigkeitsgegrübels zwei

Kugeln Eis:

Erdbeere für das Sonnenmädchen

und Spiderman-Eis für den Prinzen.

Und plötzlich ist er da, der Sommer, einfach so, auch ohne Urlaub, ohne Strand, und tropft auf heißen, staubigen Dorfstraßenasphalt.

Geblendet von Sonnenstrahlen und an Körper und Seele barfuß erkenne ich:

Sommer ist, wo Eis auf lachender Kinderhaut zerrinnt.

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Goldgelb

Goldgelb verzweigt sich ein Apfelsaftstrudel
in meinem 1 Euro teuren Ikea-Glas,
sodass ich durch Gewalt eines blaugelben Strohhalms
für Sekunden meine wirbelnden Gedanken vergaß.

Goldgelb verzweigen sich des Frühjunis Strahlen,
denn Möchtegern-Sturmwolken schreien bereits,
diese alles Licht zerreißenden Gebilde
sind scheinbare Vorboten eines Totengeleits,

denn goldgelb verzweigt sich auch das Ährenmeer
in langsam erblassender Weizengischt,
noch träumt jeder Halm, wähnt honigwarme Süße,
nicht wissend: Der Mähdrescher verfehlt ihn nicht.

Es scheint ganz so, als ob dieses goldgelbe Spiel
eine vom Himmel geschenkte Frist nur ist,
die nicht lang andauert und dafür gedacht,
dass man im Dunkeln dies Licht nicht vergisst.

Mascha Kaléko: Sozusagen grundlos vergnügt

Mit diesem Gedicht wünsche ich allen einen schönen Sommersonntag! 🙂

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
– Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehen!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, dass ich … Dass ich mich freu.